Ich erinnere mich daran, dass ich vor vielen Jahren den Rheindeich zwischen Langel und Worringen in Köln hinaufstieg und an einem bestimmten Punkt schon über die Kuppe blicken und ein Schiff vorbeiziehen sehen konnte, aber den Fluss selbst noch nicht. Von diesem Punkt aus machte es den Eindruck, als würde das Schiff einfach durchs Land fahren. Als ich dann am Fluss stand, wurde mir umso bewusster, wie sehr das Wasser das eine Ufer vom anderen trennt und ohne Hilfsmittel im Grunde unerreichbar macht.

Mit dem Erreichen des anderen Ufers habe ich mich damals dann in der Serie „Tanz der Fähren“ beschäftigt. Dort setzte ich Lichtspuren von Fähren ein, um den Weg über den Fluss nachzuvollziehen, der ansonsten nach Passieren des Schiffes unsichtbar wird.

In der Serie ging es also um die Überwindung der Trennung, die der Fluss verursacht. Mit „Störungen, starke Störungen“ kehre ich jetzt zum Aspekt der Distanz zurück. Unter dem Arbeitstitel „Vom anderen Ufer“ habe ich begonnen, Fotos von der anderen Seite des Flusses zu machen.

Wenn man an einem großen Fluss steht, verzerrt sich der Raum, den man am anderen Ufer wahrnimmt, zu einer Silhouette. Man kann kaum erkennen, wie sich die Raumverhältnisse drüben verhalten. (Hätte Platon an einem großen Fluss gewohnt, würden wir heute vielleicht von „Platons Fluss“ und nicht von „Platons Höhle“ sprechen.)

In Kontinuität zum „Tanz der Fähren“ lasse ich wieder Schiffe durchs Bild fahren. Diesmal ziehen sie sehr gerade Linien, die für mich den trennenden Aspekt des Flusses unterstreichen. Aber wie so oft, ist das nicht das Einzige, das passiert. Der Blick auf die andere Seite wird gestört. Wo ich vorher durch die nächtliche Langzeitaufnahme eine glatte Wasseroberfläche erzeugt habe und das gegenüberliegende Ufer im Fokus stand, nimmt das vorbeifahrende Schiff jetzt die Aufmerksamkeit ein. Dadurch entstehen die Störungen.

Unterschiedliche Schiffe sind sehr unterschiedlich beleuchtet. Das gewöhnliche Flussfrachtschiff auf dem Rhein ist eher spärlich mit Lampen ausgestattet. Die Positionslichter grün und rot, Buglicht, Hecklicht und vielleicht noch ein bisschen Licht aus der Kabine. Flusskreuzfahrtschiffe dagegen sind richtige Lichtprotze. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Beleuchtung so stark ist, damit die Passagiere die Ufer betrachten können. Aus Störungen werden da starke Störungen.

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal verkehren dagegen viel höhere Schiffe, hochseetaugliche Frachter. Gleichzeitig ist das Gewässer schmaler als z.B. der Rhein, die Schiffe fahren deutlich näher an der Kamera vorbei, so dass noch am oberen Bildrand Lichtspuren erscheinen. Auch beruhigt sich die Wasseroberfläche zwischen den Schiffen und wird spiegelglatt, daher entstehen oftmals deutlich definiertere Reflektionen.

Eine Auswahl der entstanden Bilder zeige ich vom 16. – 22. Januar anlässlich der „Passagen“ im Rahmen der Gemeinschaftsaustellung von KölnDesign im Bunker 101 in Köln-Ehrenfeld, Körnerstr. 101 (Fr-Sa 12-22h, So 12-20h, Mo-Fr 16-20h), und im März und April in der Galerie daneben.